Wer darf beitragen?

Kennst du das? Du öffnest einen Zeitungsartikel oder wählst einen Film auf deiner bevorzugten Streamingplattform. Im Thema kennst du dich aus. Oder du meinst es zumindest. Es fasziniert dich. Oder du arbeitest sogar in der sezierten Branche. Vielleicht hast du es genau deswegen ausgewählt. Wie häufig findet ich doch Falschdarstellungen und unpräzise Beschreibungen – und das auch bei durchdachten Beiträgen in Qualitätsmedien. Bei mir ist das der Fall, wenn auch nur peripher die Luftfahrt zu finden ist. Zum Beispiel ist da die Serie „The Manifest“ – ganz furchtbare Serie für uns AvGeeks, oder die Darstellungen in den Medien zu Flugunfällen. Oft furchtbar schlechte Beschreibungen.

Ist das nicht spannend? Ich lese viel. Vieles auch von nur peripher bekannten Sachverhalten. Situationsberichte, Kommentare. Ich kann mir nur ausmalen, wie viele Falschdarstellungen man bereits über Situationen, Branchen, Menschen aufgenommen hat. Und das nicht nur durch Medien, sondern auch durch einfache Gespräche mit Freunden, des Partners, der Familie, mit Kollegen. Ist Falschdarstellung überhaupt der richtige Begriff? Ist es nicht mehr ein durch Perspektivwechsel aufgenommene unvollständige, missverstandene, Beschreibung eines Sachverhalts? Was ist überhaupt falsch und richtig? Kann man jede Situation rationalisieren? Das kann man nur aus einem höheren Grad an Auseinandersetzung einschätzen. Aber nur, wenn dieser überhaupt vorhanden ist.

Wir können zwischen zwei Situationsregimen trennen. In einigen Situationen gibt es ein klares falsch und richtig. In der komplexen Realität gibt es das selten. Das Grundgesetz trennt hier zwischen Tatsachenbehauptung und Meinung. Der Unterschied: die Beweisfähigkeit. Das Problem: allein die Trennung der Situationsregime gestaltet sich schwierig. Manchmal lösen sich auch anfänglich gedachte Differenzen in Luft auf, wenn das Dilemma abstrahiert wird – oder einfach nur miteinander gesprochen wird. Fast magisch. In einigen Fällen können bei sich anfänglich als unterschiedlich wahrgenommenen Interessenslagen gemeinsame Interessen gefunden werden.

Diese Fragestellung greift auch tief in das unterschiedliche Verständnis der „Meinungs- und Redefreiheit“ ein. Es wird unterschiedlich gelebt. Im amerikanischen Raum wird die Meinungsfreiheit deutlich radikaler verstanden. Im deutschen Raum gilt sie bis dahin, bis die Freiheiten eines anderen verletzt werden. Oder vielleicht präziser: wenn die Würde des Gegenüber verletzt wird. Irgendwie setzt das aber voraus, das Meinungen dann doch falsch sein können. Kann man die Rechte seines Gegenüber mit einer validen Meinung verletzen? Und wie soll man überhaupt lernen, wenn man nicht ab und an einen unqualifizierten Kommentar abgibt, oder sich etwas aus dem Fenster lehnt? Wann ist der Punkt erreicht, an den man beitragen darf? Ich würde sagen, wenn es respektvoll ist und Transparenz über die Unwissenheit geschaffen wird, ab Tag eins.

Teilt uns eure Erfahrungen mit. Am eckigen Tisch darf jeder beitragen. Die Voraussetzung sind solide Grundwerte und Respekt vor dem Gegenüber. Wir, als Gastgeber, setzen uns nur hobbymäßig mit den Sachverhalten auseinander. Weist uns gerne auch auf eure abweichenden Sichtweisen – oder unsere Falschdarstellungen hin. Wir nehmen mit gleicher Freude unvergorene Sichtweisen oder tiefer entwickelte Sichtweisen auf. Vielleicht löst sich das Dilemma ein wenig, wenn man den Mut fasst, einen Hinweis auf seinen Grad der Auseinandersetzung hinzuweisen. Das heißt, zuzugeben, dass man sich nicht auskennt und gleichzeitig gerne mitdiskutiert, um zu lernen.

Unser Konzept: Wir schreiben idealerweise wöchentlich – vielleicht wird es seltener, wenn wir andere Dinge zu tun haben. Zu jedem Artikel reichen wir Rezepte, oder sogar einen Rezeptplan für die kommende Woche. Unser Konzept setzt auf einer achtsamen Nutzung des letzten Tages der Woche auf. Ihr dürft neben philosophischer Inspiration euch auch auf Inspiration in der Küche freuen.

Die Gerichte der Woche sind hier veröffentlicht.

euer RdF

Hinterlasse einen Kommentar